Ausreichend zu trinken ist gut und gesund. Wenn es aber um die täglich empfohlene Trinkmenge geht, scheiden sich bei Medizinern und Wissenschaftlern die Geister. Was ist nun eine ausreichende Trinkmenge? 2-3 Liter pro Tag sollten es sein, liest man zuhauf in der Literatur.

Doch trifft das auch auf alle zu?

Wasser ist lebensnotwendig, das steht sicherlich außer Frage, denn schließlich besteht ja jede einzelne Körperzelle zum großen Teil daraus. Wasser stärkt Studien zufolge in der Erkältungssaison die Abwehrkraft der Schleimhäute, und auch beim Abnehmen hilft eine ausreichend Wassermenge beim Kampf gegen die Pfunde. Bei letzterem fragt sich jedoch gleich, ob die Wassermenge an sich entscheidend für das Abnehmen oder das Trinkverhalten weg von Softdrinks hin zu gesundem Wasser der eigentlich ausschlaggebende Faktor ist.
Wenn ein Mensch häufig von Kopfschmerzen oder gar Migräne geplagt wird, so lohnt es sich allemal, sein Trinkverhalten unter die Lupe zu nehmen. Denn wenn ein Flüssigkeitsmangel, der durchaus die Funktion des Gehirns und der Nervenzellen beeinträchtigen kann, die Ursache davon ist, so ist es sicherlich ein leichtes, das zu beheben. Dr. Blau empfiehlt dazu in seinem Artikel in der Zeitschrift Headache:

„Trinken Sie ½ bis 1 Liter Leitungswasser. Nach einer halben Stunde, spätestens aber nach drei Stunden, sollten die Symptome verschwunden sein, wenn Wassermangel der Grund für Ihre Kopfschmerzen war.“

Es werden aber zunehmend Stimmen laut, die die Sinnhaftigkeit der empfohlenen täglichen Flüssigkeitsmenge von 2-3 Litern anzweifeln. Eine Studie amerikanischer Nierenexperten der Universität von Pennsylvania zeigte 2008, dass die für einen erwachsenen Menschen empfohlene Tagesmenge von zwei Litern keine gesundheitlichen Vorteile mit sich bringt.

Vor allem zu viel Wasser zu trinken ist ungesund: Bei übertriebener Flüssigkeitszufuhr sinkt durch die Verdünnung der Natriumgehalt im Blut und der Betroffene wird dadurch paradoxerweise noch durstiger. „Grundsätzlich ist aber das körpereigene Durst-Regelsystem in der Lage, den Wasser- und Elektrolythaushalt in engen Grenzen zu regulieren. Dies widerspricht der Annahme, wonach man trinken sollte bevor der Durst kommt“, konstatieren Stahmer und Stahl.
Die Empfehlungen zur Trinkmenge seien bei den meisten Deutschen eh überflüssig, da diese laut der Nationalen Verzehrsstudie ausreichend trinken. 94 % der Erwachsenen in Deutschland trinken eigener Einschätzungen zufolge mehr als einen Liter, 75 % liegen bei der Trinkmenge über 1,5 Liter.
Ein vermehrter Bedarf besteht sicherlich, wenn jetzt bei den aktuell heißen Temperaturen Sport im Freien getrieben wird. Hier kann sich die Flüssigkeitsmenge bis zu verdreifachen. Auch bei Krankheiten wie Erbrechen, Durchfall und Magen-Darm-Grippe ist die benötigt Flüssigkeitsmenge erhöht. Bei Senioren schwindet in zunehmendem Alter das Durstgefühl; hier macht es Sinn, Trinkrituale einzuhalten, um einer Austrocknung zu begegnen.
Eine Studie eines namhaften Getränkeherstellers kam (wen wundert´s) zu dem Ergebnis, dass für die Kopfarbeit und psychische Stabilität des Menschen aber eine durchschnittliche Trinkmenge von 2,3 Litern ideal wäre. Korreliert wurde hier die Trinkmenge (retrospektiv, also im Nachhinein) mit den Abiturnoten. Eine prospektive Studie, in der die Teilnehmer dann mit Getränken des Wasserlieferanten versorgt wurden, bestätigte sich das Ergebnis, die Kapazität des „Arbeitsspeichers“ (also des Gehirns) sei hier optimal, zudem wurde ein regulierender Effekt auf das Körpergewicht nachgewiesen.
Wie ist nun unsere Meinung zur täglichen Trinkmenge? Grundsätzlich ist es immer gut, wenn Menschen auf ihr natürliches Gefühl hören und die Trinkmenge danach regulieren. Dass aber viele Menschen nicht in der Lage sind, gut auf ihr körpereigenes Gefühl zu hören, zeigen die Ergebnisse der Stoffwechsel- und Leistungsdiagnose zuhauf. Ein Liter am Tag sollte es zumindest für alle Menschen sein; darüber hinaus kann es aber keine generellen Empfehlungen (wie auch bei sportlichen Belangen und Ernährungstipps) geben, da der Rest sehr individuell ist. Denn die zu empfehlenden Trinkmengen hängen eng mit dem Grad der sportlichen Aktivität zusammen. Auch ist entscheidend, wie stark der einzelne schwitzt, dies auch außerhalb des Sports (z.B. auf der Arbeit oder in der Nacht).

Ferner ist es wichtig, was der Einzelne isst: Denn reiche Mengen an Gemüse und Obst mit hohem Wassergehalt decken bereits einen Großteil des täglichen Wasserbedarfs. Interessanter als die aufzunehmende Menge ist eher die Menge, die ausgeschieden wird: Hier empfehlen wir einen Richtwert von 1,0-1,5 Liter in 24 Stunden.

Es lohnt sich aber allemal, vor allem jetzt bei den heißen Temperaturen sein Trinkverhalten unter die Lupe zu nehmen, vor allem wenn vermehrt Durst oder gar Kopfschmerzen kommen. In diesem Sinne:

Prost!

Bildquelle: bicchieri splash in sequenza © Giuseppe Porzani/ Fotolia

 

Literaturquellen: Blau, J.: „Water Deprivation: A New Migraine Precipitant“. Headache. 2005 Jun; 45 (6): 757-759 und www.medicalsportsnetwork.com/archive/910400/Mental-fit-durch-Erhoehung-der-Trinkmenge-um-1-Liter-am-Tag.html

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