Ein langsamer oder niedriger Ruhepuls wird auch als Bradykardie oder zu Deutsch als verlangsamter Herzschlag bezeichnet. Davon spricht man, wenn der Ruhepuls unter 60 Schlägen/min liegt. Das kann natürlich trainingsbedingt sein, Sportler haben häufig eine bradykarde Ruheherzfrequenz. Leistungssportler können ihren Ruhepuls teils auf unter 40 Schläge/min absenken, was bereits als stark bradykard gilt.

Bei einem Nichtsportler würde man das schon als potentiell krankhaft ansehen. Beendet aber ein Leistungssportler seine ambitionierte Sportkarriere, muss dieser sein Sportherz, das die niedrige Ruheherzfrequenz bedingt, wieder abtrainieren; das bedeutet, dass er seine hohen Sportumfänge nicht auf einen Schlag herunterfahren darf, da es bei ihm ansonsten zu Herzrhythmusstörungen kommen kann. Bei Ruhepulswerten unter 30 Schlägen/min muss man genauer hinsehen, das kann unter anderem auch schon eine Indikation für einen Herzschrittmacher sein.

Noch im Takt oder knapp daneben?

Es gibt neben dem Sport noch weitere Ursachen, die einen niedrigen Ruhepuls bedingen. Beim gesunden Menschen wird der Herzschlag durch den Sinusknoten, der oberhalb des rechten Vorhofes des Herzens liegt, gesteuert. Die Geschwindigkeit dieses Taktgebers ist natürlich von den Bedürfnissen (Ruhe, Bewegung, Stress, Verdauung etc.) abhängig und liegt normalerweise nicht unter 50 Schläge/min. Krankhafte Ursachen einer Pulsabsenkung liegen vor, wenn die Erregungsbildung im Sinusknoten oder die Erregungsleitung auf die nächste Instanz, den sog. AV-Knoten, gestört sind. Häufig werden diese Erscheinungen dann von Herzrhythmusstörungen begleitet, die im wichtigsten Diagnose-Instrument, dem Ruhe- und Belastungs-EKG, zu sehen sind. Liegen Störungen im EKG vor, die abklärungsbedürftig sind (nicht jeder Extraschlag muss gleich bedenklich sein), so empfehlen sich weitergehende Untersuchungen wie ein Herz-Ultraschall (= Echokardiographie), Herzkatheteruntersuchungen, Kernspin- oder Magnetresonanzverfahren). Niedrige Ruhepulswerte können auch medikamentenbedingt sein (z.B. durch Betablocker), ferner gehen Bradykardien auch mit Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion, Arterieller Verschlusskrankheit, Gelbfieber und Typhus einher.

Der Ruhepuls – ein Indikator

Ein niedriger Ruhepuls bedeutet daher nicht zwangsläufig eine gute Ausdauer, es können auch andere Störungen und Ursachen dahinter liegen. Umgekehrt ist es so, dass durch langjähriges Ausdauertraining nur in den meisten Fällen ein niedriges Ruhe-Pulsniveau erreicht wird; es gibt aber auch Ausnahmen. Prominente Beispiele sind Herbert Steffny und Dieter Baumann, die als ehemalige Leistungssportler beide ein Ruhepulsniveau um die 60 Schläge/min haben. Trotz allem empfehlen wir die regelmäßige Bestimmung der Ruhe-Herzfrequenz als Indikator für ankommende Infekte oder unvollständige Regeneration und für den Sporteinsteiger als Motivation, wenn der Ruhepuls sinkt.

Bildquelle: fotolia.com / © peshkova

 

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