Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Lange Zeit wurde ein hoher Cholesterinspiegel als ungünstiger „Botschafter“ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen, da es wohl Arterien verstopft und somit für Gefäßverschlüsse verantwortlich sei.

Nun gibt es aber nicht wenige Leute, die lange Zeit hohe Cholesterinspiegel aufweisen, jedoch keine Gefäßablagerungen nachweisbar sind. Welcher Mechanismus ist daher für die Ablagerungen in den Gefäßen verantwortlich? In den 60er Jahren galt ein Grenzwert von 250 mg/dl als gefährlich, der dann in den folgenden Jahrzehnten über den Grenzwert von 220 auf (in der Cholesterinkonsens-Sitzung 1984) letztendlich 200 mg/dl gesenkt wurde. Ein großes Geschäft für die Pharmafirmen, denn die Statine, mit denen der Cholesterinspiegel medikamentös gesenkt wird, sind die meistverkauften Medikamente der Neuzeit. In Wissenschaftskreisen mehren sich aber die Zweifel an dieser Behandlung, da inzwischen viele Gegenstudien vorliegen.

Der Fokus wurde inzwischen weg vom Gesamtcholesterinspiegel hin auf das Verhältnis zwischen dem vermeintlich „schlechten“ LDL-Cholesterin zum „guten“ HDL-Cholesterin gelegt.

HDL und LDL sind zwei verschiedene „Behälter“ für Cholesterin. Das LDL-Cholesterin transportiert vom Körper selbst gebildetes Cholesterin von der Leber zu den Geweben, wo es gebraucht wird. Das HDL-Cholesterin holt überschüssiges Cholesterin wieder zurück in die Leber und ist somit für einen ausgeglichenen Cholesterinstoffwechsel verantwortlich. So begründet sich auch der positive Effekt regelmäßiger sportlicher Aktivität, da hier besonders der HDL-Spiegel erhöht wird.

Ist aber das so bezeichnete „schlechte“ LDL-Cholesterin nun wirklich ein schlechtes Cholesterin?

LDL ist ein Trägerprotein, es dient im Gehirn dazu, lebenswichtiges Cholesterin zu speichern und zu Nervenzellen zu transportieren, wo es wichtige Funktionen hat; es wird aber immer noch als schlechtes Cholesterin abgetan. Doch erst wenn die LDL-Partikel durch freie Sauerstoffradikale angegriffen werden, lagern sie sich an den Gefäßwänden ab. Zucker-Moleküle begünstigen Oxidationsprozesse. Inzwischen wird nur oxidiertes LDL als Schlüsselfaktor für die Entstehung einer Arteriosklerose gesehen. Und diese Oxidationsprozesse gehen vor allem auf das Konto einer hohen Kohlenhydrataufnahme.

Wenn wir zur Ernährung des Steinzeitmenschen gehen, dann hat der Urzeitmensch nur einen Bruchteil an den Getreidemengen gegessen wie es heute vielfach empfohlen und praktiziert wird. Die Ernährung des Urzeitmenschen war fettreich und kohlenhydratarm. Bewegt hat er sich um ein Vielfaches mehr, die tägliche Distanz, die er für das Sammeln und Jagen seiner Nahrung zurückgelegt hat, lag je nach Nahrungsangebot im Bereich eines Halbmarathons. Heute bewegen sich die Menschen viel weniger und essen gleichzeitig kohlenhydratreich und fettarm, die Wohlstandsbäuche wachsen zunehmend, fast zwei Drittel der Deutschen bringen zu viel Gewicht auf die Waage. Es stellt sich berechtigt die Frage, ob eine Ernährungsweise mit reichlich Fett und Cholesterin wirklich schlechter für die Menschheit ist als das, was heute praktiziert wird?

Was macht das Cholesterin? Welche Funktionen hat es in unserem Körper?

Zunächst einmal ist Cholesterin lebenswichtig und ein Baustein aller menschlichen Zellen. Der Mensch verfügt in seinem Körper über 150 Gramm Cholesterin, 1-2 g davon stellt er täglich selbst her; Cholesterin wird auch aus der Nahrung aufgenommen. Das mag der Körper lieber als es selbst herzustellen, da die eigene Herstellung energieaufwendig ist. Wird die Cholesterinaufnahme über die Ernährung gedrosselt, versucht der Körper, die eigene Produktion hochzufahren, um diese „Notsituation“ auszugleichen. Denn Cholesterin ist der Grundbaustein für alle Hormone. Mit zu wenig Cholesterin leidet die Produktion von Hormonen, zudem der Gallensäure und dem Sonnenvitamin D. 25 % des Gesamt-Cholesterins sind im Gehirn gespeichert. Cholesterin wirkt im Hirn antioxidativ, dafür ist Vitamin D entscheidend, da es entzündungshemmend wirkt: Da Vitamin D fettlöslich ist, wird es aus Cholesterin gebildet. Salze in der Gallenflüssigkeit bestehen ebenfalls aus Cholesterin, diese Salze sind wichtig für die Fettverdauung.

Interessante Studien stellen einen Zusammenhang zwischen Hirnleistung und dem Cholesterinsiegel her.

In der Studie von Seneff 20091 zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe des Cholesterinspiels und den kognitiven Fähigkeiten. Seneff resümiert:

„Dass Statine Gehirnerkrankungen/Alzheimer begünstigen, liegt vor allem daran, dass sie die Fähigkeit der Leber zur Cholesterinerzeugung einschränken und so der LDL-Gehalt im Blut deutlich zurückgeht.“

Die viel verschriebenen Statine förderten demnach Gehirnstörungen, sie können laut dieser Studie Gedächtnislücken und kognitive Störungen hervorrufen. Co-Enzym Q 10 teilt sich den gleichen Stoffwechselweg wie Cholesterin; Statine blockieren somit auch den Weg dieses wertvollen Enzyms. Ein Mangel an Co-Emzym Q 10 begünstige somit Herz- und Muskelerkrankungen.

In einer Auswertung der Framingham Heart Study, bei der über 5.000 Männer und Frauen regelmäßig untersucht werden, wurde 2005 ebenfalls eine Verbindung zwischen Gesamtcholesterin und geistiger Fitness gefunden: hier gab es einen signifikanten Zusammenhang von einem hohen Cholesterinspiegel und mentaler Fitness. Umgekehrt: ein niedriger Cholesterinspiegel stand in signifikanten Zusammenhang mit schlechteren Werten bei kognitiven Aufgaben, also Aufmerksamkeit, flüssige Formulierungen und Denksportaufgaben. Im kranken Gehirn herrsche ein beträchtlicher Cholesterinmangel. Cholesterin scheint für eine gute Hirngesundheit wichtig und essentiell zu sein. Das Gehirn läuft wohl nicht rund, wenn es zu wenig Cholesterin bekommt. Oxidiertes LDL kann nicht mehr in die Astrozyten (= Zellen, die zur Ernährung der Neuronen dienen) eindringen. Zucker beeinträchtigt die LDL-Funktion, indem es sich an das LDL anheftet und Oxidationsprozesse beschleunigt.

Perlmutter resümiert:

„Wir sollten alles dafür tun, eine Oxidation von LDL zu vermeiden als dass man den LDL-Spiegel an sich senkt.“

Das erreiche man durch eine Absenkung des Kohlenhydratanteils in der Ernährung, vor allem durch die Vermeidung von Weizenprodukten.

Wie konnte es aber dazu kommen, dass wir genau die Speisen ablehnen, die unsere Gesundheit fördern und die unser Gehirn gesund erhalten?

Seit Jahrzehnten empfehlen die staatlichen Ernährungsgesellschaften (egal ob die amerikanische Gesellschaft für Ernährung oder die DGE in Deutschland), 55-60 % Kohlenhydrate zu verzehren. Gleichzeitig hat sich zwischen 1997 und 2007 die Anzahl der Diabetiker verdoppelt. Das Alzheimer-Risiko für Diabetiker ist doppelt so hoch wie für Nicht-Diabetiker. Denn bei der vorangehenden Insulinresistenz beim Typ II-Diabetiker ist der Körper nicht mehr in der Lage, das Protein Amyloid abzubauen, das im Gehirn Plaques bildet. Ein hoher Blutzuckerspiegel erzeugt zudem sauerstoffhaltige Moleküle, die die Zellen schädigen, Entzündungen hervorrufen und damit eine Verhärtung von Blutgefäßen in Körper und im Gehirn verursachen. Blutzuckerspitzen rufen Neurotransmitter wie Serotonin, Epinephrin, Nor-Epinephrin, Dopamin u.a. auf den Plan, B-Vitamine werden verbraucht, der Magnesiumspiegel geht zurück. Das Gehirn reagiert auf die ständige Glykierung durch Kohlenhydrate sehr empfindlich.

Das zeigte auch eine Australische Studie: Hier hatte ein hoher Blutzuckerspiegel einen signifikanten Zusammenhang mit Hirnvolumen: ein hoher Blutzucker lasse das Hirn schrumpfen, vor allem im Bereich Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten. In einer Studie aus 2007, veröffentlich im Journal of Neurology, zeigte, dass das Demenzrisiko bei einer fettreichen Ernährung um 60 % geringer war. Eine Schwedische Studie 1997 fand eine Verbindung von niedrigem Cholesterin-Spiegel und Depressionen. Leute mit niedrigem Cholesterin-Spiegel leiden nach diesen Studienergebnissen deutlich häufiger an Depressionen.

Es scheint also einiges darauf hinzudeuten, dass ein hoher Cholesterinspiegel nicht zwingend schlecht für den menschlichen Körper ist, sondern durchaus auch positive Zusammenhänge zu finden sind, vor allem im Bereich der Hirnleistung. In Frage gestellt werden müssen vor allem die heutige Ernährung und die Empfehlungen zur Kohlenhydrataufnahme.

Wir bleiben gespannt auf weitere Forschungsergebnisse.

Literatur:
1. Medizin: http://people.csail.mit.edu/seneff/Alzheimers_statins.html

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