Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Wird die Persönlichkeitsentwicklung durch sportliche Aktivitäten beeinflusst?

Nutzt der Schul- und Vereinssport oder sportliche Betätigung in der Freizeit ohne institutionelle Bindung dem Heranwachsenden, um nicht nur körperliche Fitness zu erlangen, sondern auch geistige Reife? Dieser Fragestellung ging Prof. Ulrike Burrmann vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der TU Dortmund in einigen wissenschaftlichen Studien nach; dabei verglich sie ihre Arbeiten auch mit anderen Studien.

Grundsätzlich stellen die Befürworter der Sozialisationswirkung des Sports (= die Wirkung des Sports auf die Entwicklung des Jugendlichen zum selbständig und frei handelnden Menschen) fest, dass Aggressionen durch sportliche Aktivität bearbeitet und abgebaut, zudem Regeln erlernt und akzeptiert sowie personale Ressourcen beim Umgang mit Belastungssituationen gestärkt werden.

Daraus folgt, dass sportlich Aktive besser mit Stress und schwierigen Gegebenheiten umgehen können.

Die Skeptiker verweisen darauf, dass in sportlichen Situationen unfaire und aggressive Verhaltensweisen in Erscheinung treten und wohl auch gestützt werden sowie vor allem im Hochleistungssport physische und psychische Belastungen auftreten. Aber gerade letztere wollen wir jetzt außer Acht lassen, es geht hier um freizeitsportliche Aktivitäten von Jugendlichen.

Sygusch und Burrmann zeigen in den Befunden aus Querschnittstudien, dass sportlich aktive Heranwachsende weniger häufig über psychosomatische Beschwerden klagen. Zudem besitzen sie eine höhere Lebensfreude und eine geringere Ausprägung für depressive Verstimmungen. Ein wichtiges Merkmal ist vor allem, dass aktive Jugendliche „positivere Ausprägungen des Selbstkonzeptes“ und „eine ausgeprägtere Selbstwirksamkeitserwartung“ besitzen; letzteres bedeutet, dass der Jugendliche von sich selbst überzeugt ist, dass er in einer bestimmten belastenden Situation eine angemessene Leistung erbringen kann. Und genau dieses Gefühl des Jugendlichen bezüglich seiner Fähigkeiten beeinflusst wiederum seine eigene Wahrnehmung, seine Motivation und seine Leistung auf vielerlei Weise. Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person; dazu gehört für den Jugendlichen das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und Verhalten. Ist das nicht eine wertvolle Eigenschaft für einen pubertierenden Teenager?

Auch Manfred von Richthofen bricht eine Lanze zur Persönlichkeitsentwicklung im Vereinssport:

„Wir lernen hier nicht nur, wie man seine körperlichen Kräfte steigern, Geschicklichkeit verbessern und über sich hinauswachsen kann. Wir lernen auch Niederlagen einzustecken, Regeln zu achten und uns für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Freundschaften bilden sich hier heraus, die häufig ein Leben lang halten.“

Der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung aus 2005 konstatiert zu diesem Thema auf Seite 243: „Dem Sport wird insgesamt eine maßgebliche Bildungswirksamkeit zugesprochen, die zunächst die unmittelbar körperbezogenen Kompetenzen (Körpererfahrung, -ästhetik, -ausdruck), aber auch nicht unmittelbar sportbezogene Kompetenzen im sozialen, politischen und kognitiven Bereich einschließt (Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation, Verantwortungsfähigkeit).“

Wenn das nicht wertvolle Schlüsselqualifikationen für den Jugendlichen sind, die seine geistige Reife zeigen!

Also los zum Sport – am besten mit Deinen / Euren heranwachsenden Sprösslingen!

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