Sind wir gestresster als früher? Es gibt kaum mehr einen Deutschen, der keinen Stress hat, egal ob es beruflicher, häuslicher oder gar nur Freizeitstress ist. Objektiv gesehen durchlebten die Menschen aber viel härtere Zeiten als aktuell, der Kampf ums Überleben war beim Mitteleuropäer früher mit Sicherheit schwerer als heute. Unsere Zeit ist aktuell geprägt durch Sitzen, Bildschirme, Schnelllebigkeit und Alltagshektik. Ist unsere Belastungsfähigkeit und Stressresistenz dadurch gesunken?

Stressabbau: Schwertkampf mit dem Chef?

Ein wichtiger Faktor, warum wir den aufkommenden Stress nicht mehr so gut aushalten, viele sich gehetzt und gestresst vom Alltag fühlen und nicht mehr abschalten können, ist sicherlich die fehlende Bewegung. Ein Stressreiz, egal ob es der Anruf eines erbosten Kunden, die Rüge des Chefs oder die fiese Speerspitze eines Kollegen ist, lässt das Aktivitätshormon Adrenalin ins Blut schießen, worauf Puls und Blutdruck ansteigen und unsere Hände zu Schwitzen beginnen. Der Urzeitmensch reagierte darauf mit Kampf oder Flucht, aber wer bitteschön rennt nach einer solchen Situation raus dem Büro und fünf Runden um den Firma oder zettelt gar einen Schwertkampf mit Chef oder Kollegen an?

Fazit: Das Adrenalin bleibt im Blut und führt dort zu Schäden, die als moderne Zivilisationskrankheiten beschrieben werden. Doch nicht nur der Körper, sondern vor allem auch der Kopf leiden darunter: Man fühlt sich am Abend gestresst, ausgelaugt und energetisch am Boden.

Völlig am Ende und jetzt auch noch Sport machen?

Ja, denn genau jetzt ist der richtige Moment, in Bewegung zu kommen. Aber Vorsicht: Es sollten Bewegungsformen sein, die uns nicht noch den letzten Funken Energie rauben, sondern in denen körperliche Aktivität eine Quelle der Kraft bedeutet, die uns für den Alltag aufrichtet und uns Energie für kommende Herausforderungen gibt. Welches Wundermittel ist das? Leider gibt es keine Pauschalempfehlung, denn was dem einen gut tut ist für den anderen wenig hilfreich, vielleicht sogar hinderlich. Denn der eine profitiert von entspannenden Verfahren wie Meditation, Autogenem Training, Bogenschießen oder fernöstlichen Verfahren wir Qi gong oder Yoga. Andere wiederum brauchen zum Spannungsabbau hochintensive Belastungen wie beim CrossFit oder Functional Training, schalten bei Kampfsportarten wie Karate oder Aikido besser ab oder bekommen den Kopf beim Krafttraining frei. Wieder andere kommen auf bessere Gedanken, wenn sie Mannschaftssport betreiben und gemeinsam mit Freunden zum Fußball oder Volleyball gehen. Ein Großteil nutzt den Ausdauersport als Ausgleich zur Arbeit und um die Fitness und Widerstandskraft aufzubauen.

Generell geht es bei allen Arten von sportlicher Aktivität darum, das richtige Maß und die richtige Mischung zu finden.

Grundsätzlich mag sich das zunächst gut und ausgleichend anfühlen, nach einem stressigen Arbeitstag abends noch ein hochintensives Training anzusetzen. Reicht das? Gibt Dir das die notwenige Energie zurück? Vielleicht ist eine Kombination mit einer Ausdauersportart im niedrigintensiven Bereich wertvoller für Deine psychische und physische Gesundheit. Was für wen gut ist, lässt sich zielgenau in einer Stoffwechsel- und Leistungsdiagnostik herausfinden. Denn wenn jemand schon über längere Zeit im Alltag nur noch kämpfen und durchhalten muss, gleichzeitig in seinem Leistungsprofil eine hohe anaerobe Kapazität aufweist, beschreitet dieser einen gefährlichen Grat. Warum? Das zeigen wir anhand der Werte im sportmedizinischen Check-up.

 

Bildquelle: pixabay.com/ Free-Photos  (25.11.2018)