Die ersten Versuche, Yoga mit Kindern zu machen, sind nicht immer einfach, vor allem wenn die Gruppe größer als 10 Kinder ist und zudem verhaltensauffällige Kinder darunter sind. Die Praxis zeigt, dass vor allem diese Kinder Probleme haben, sich auf Ruhephasen einzulassen, sie tun sich schwer, still zu halten. Rituale wie das Anschlagen einer Klangschale, sich immer wiederholende Lieder oder Bewegungen (Sonnengruß/Namasté), Asanas (z.B. Stehen wie ein Berg) und Atemübungen sind hier wertvolle Mittel, Fortschritte zu machen. Oft zeigen sich bereits nach wenigen Einheiten Tendenzen zur Besserung.

Kinderyoga, eine Geschichte zum Mitmachen:

Hier eine kleine Sequenz, wie das Verständnis vom Yoga den Kindern nahe gebracht werden kann: „Vor 4.000 Jahren lebten in Indien Menschen, die noch keine Autos, keinen TV, keinen Computer und auch kein Handy hatten. Sie hatten viel schöne, wilde Natur um sich herum. Weil sie die Tiere und Pflanzen so sehr liebten, beobachteten sie diese ganz genau und versuchten diese nachzuahmen. Das machte ihnen viel Spaß. Die Menschen bemerkten, dass sie durch diese Übungen kräftig und stark wurden und dass sie dadurch innere Ruhe gewannen. Du kannst Dir auch vorstellen, dass in Deinem Körper Lebensenergie fließt, so wie ein Fluss. Durch zu wenig Bewegung, ungesundes Essen, schlechte Gedanken, zu viel sitzen, zu viel Fernsehen oder Handy spielen wird der Fluss blockiert. So wie bei einem Fluss, in dem zu viele Steine liegen oder ein Staudamm, wodurch das Wasser beim Fließen gebremst wird. Durch Yoga schaffen wir die Steine aus dem Fluss. So kann die Lebensenergie wieder durch Deinen Körper fließen und Du bleibst gesund, fühlst Dich wohl und stark.“

Und hier nun eine Sequenz zum Kinderyoga: „Wir reisen ins Yogaland nach Indien“: Der Yogalehrer schlägt die Klangschale an und wartet, bis der Ton ausklingt. „Immer wenn die Klangschale erklingt, hörst Du zu und wirst still. Ich möchte Dich heute mit ins Yogaland nehmen. Wir beginnen gleich hier mit der ersten Yogaposition: dem Berg. Wer schafft es einmal, ganz fest und stark wie ein Berg hinzustehen? Wer angeblinzelt wird, darf durch den magischen Reifen ins Yogaland eintreten und sich ganz leise im Schneidersitz auf ein Königreich setzen.“

Rituale fördern Ruhe

Danach folgt das Begrüßungsritual mit dem Sonnengruß „Namasté und guten Morgen, dieser Tag sei ohne Sorgen …“ Danach kommt die Reise nach Indien, dem Heimatland des Yoga. Die Reise wird mit Geräuschen (Lokomotive und Schiff) und Bewegungen (Berg und Tal, Tag und Nacht) visualisiert. In Indien angekommen werden die Kinder gefragt, was sie dort alles sehen, welche Tiere ihnen begegnen. Es kommen Elefanten, Tiger, Kobras, Pfauen, Katze, Hunde, Löwen etc. vor, und die Kinder probieren dabei Haltungen und Bewegungen der Tiere aus. Anschließend folgt die Heimreise, auch wieder mit Geräuschen, Bewegungen und Haltungen.

Kinderyoga eignet sich nicht erst ab der Schule, sondern bereits im Kindergartenalter (ab einem Alter von 3 Jahren). In Indien, dem Ursprung von Yoga, wird bereits im Babyalter damit begonnen; hier üben die Eltern mit ihren Babys und machen mit ihnen Bewegungen aus dem Yoga. Entspannung zu finden ist in unserem Alltag eine wichtige Ressource. Und die Technik zur Entspannung muss gelernt werden, idealerweise bereits im Kindesalter. Beherrscht man sie, dann wird sie, wie Schwimmen und Radfahren, nicht mehr verlernt.

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Bildquelle Kinderyoga: Markus Weber