Bluthochdruck wird häufig als die „stille Gefahr“ bezeichnet, da er vor allem im Anfangsstadium keine Beschwerden verursacht; im Gegenteil: Leute mit erhöhtem Blutdruck fühlen sich wach und frisch, gewappnet gegen die Herausforderungen des Alltags; ähnlich dem Urzeitmenschen, der in ständigem Alarmzustand wachsam seine Umgebung betrachtet und natürlich bessere Überlebenschancen hat, da er bei Gefahr schnell reagieren kann.

Geplagt wird eher der Mensch mit niedrigem Blutdruck, der morgens schwer in die Gänge kommt, beim Aufstehen schnell Schwindel verspürt und gerne in seinem Mittagstief hängt. Doch letzterer wird mit seinem Blutdruck 100 Jahre alt, wobei ersterer gerne von Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall heimgesucht wird. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass über 50 % der Herzinfarkte und über 60 % der Schlaganfälle mit Bluthochdruck zusammenhängen. Bluthochdruck ist auch ein Risikofaktor für den plötzlichen Herztod, bei jedem dritten plötzlichen Herztod im Sport lag in der Vorgeschichte ein Hochdruck vor.

Weil hoher Blutdruck anfangs beschwerdefrei bleibt, haben viele Betroffene zunächst keine Behandlungseinsicht.

„Wieso soll ich Medikamente nehmen, mir geht´s doch gut!“

Und da Gefahren wie Herzinfarkt und Schlaganfall Spätfolgen des Bluthochdrucks sind, ist es ja auch noch eine Weile hin, denken sich viele Betroffene; nach dem Motto, „es wird mich schon nicht erwischen“, wird dann munter so weiter gelebt wie bisher. Doch es gibt gerade bei Bluthochdruck vielfältige und effektive Behandlungsmöglichkeiten auch außerhalb der medikamentösen Therapie, vor allem in den Bereichen Bewegung und Ernährung. Im Bereich Bewegung ist aber eine gezielte Diagnostik unerlässlich, um das Blutdruckverhalten unter Belastung erfassen zu können und festzulegen, ob eine medikamentöse Therapie vor Beginn des Ausdauertrainings erforderlich ist.

Welche Medikamente sind nun geeignet?

Grundsätzlich sollten die Medikamente gegen den Bluthochdruck möglichst den Bewegungsdrang des zu Behandelnden nicht einschränken. Zwar bestehen bei Betablockern jahrzehntelange Erfahrungen in der blutdrucksenkenden Therapie, allerdings können sie auch die Ausdauerleistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft einschränken. Betablocker reduzieren die Ruhe, Belastungs- und maximal mögliche Herzfrequenz, damit muss auch die Trainingsherzfrequenz tiefer liegen. Betablocker greifen zudem in Stoffwechselprozesse ein, sie stören die Verwertung von Fetten und Kohlenhydraten, sind also gerne kontraproduktiv für die Ausdauersportarten. Andere Medikamentengruppen wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten oder langwirksame Kalziumantagonisten wären die Alternativen, da sie stoffwechselneutral sind und die Leistungsfähigkeit nicht einschränken. Auch ein Natrium und Wasser ausscheidendes Medikament kann in niedriger Dosierung 1-3x pro Woche gegeben, den Blutdruck optimieren. Ein leistungsvermindernder Verlust von Wasser oder Kochsalz entsteht dadurch nicht. Das muss im Einzelfall aber immer der behandelnde Arzt entscheiden.

Welche Warnsignale gibt es, die auf einen hohen Blutdruck hinweisen?

Zu nennen sind vor allem Schwindel und Kopfschmerzen, auch leichte Erregbarkeit und innere Unruhe gehen häufig mit Bluthochdruck einher. Schlaf- und Potenzstörungen können ebenfalls ein Hinweis auf erhöhte Blutdruckwerte sein. Bei Atemnot, Brustschmerzen und Brustenge sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Um das Risiko für Bluthochdruck sowie allgemein alle herz-kreislauf- und gefäßbedingten Krankheiten zu senken und Erkrankungen zu vermeiden, ist eine gesunde Ernährung und ein gutes wohldosiertes Bewegungsprogram wichtig, ferner normales Körpergewicht und nicht zu rauchen.

Was bringt nun ein Bewegungsprogramm bei Bluthochdruck?

Die Bluthochdruck-Studie von Engström*, die über 25 Jahre gelaufen ist, zeigte, dass die kardiovaskuläre Mortalität, also das Herz-Kreislauf-Sterberisiko, für aktive Bluthochdruck-Leute um 70 Prozent (!!!) niedriger war als bei inaktiven Hypertonikern. Wenn das keine gute Aussicht ist! Die Bewegung ist die Anti-Aging-Maßnahme schlechthin. Also runter vom Sofa und rein in die Sportschuhe, aber vorher durchchecken lassen, um die Pulsgrenzen festzulegen!

*) Ekström: Studie zur Mortalität bei Hypertonikern. Lancet 6. Jahrgang Nr. 5, 1992

Bildquelle: morguefile.com

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