Gibt es etwas besser Erforschtes als die Auswirkungen von Sport auf die Gehirnleistung? Zweifelsohne ja, doch es ranken sich inzwischen viele Studien um dieses Thema; vor allem mit dem Hintergrund der massiven Zunahme von Demenz und Alzheimer. Gleich vorweg: Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die einen deutlichen Einfluss von körperlicher Aktivität auf das Gehirn zeigen: Bewegung fehlt dem Senior mit Demenzgefährdung, dem heutigen Erwachsenen mit Schrittzahlen oft unter 1.000 / Tag sowie dem Schüler, denen die Bewegung durch eine geringe Sportstundenzahl und vor allem langes Bildschirm- und Smartphone-Sitzen fehlt bis hin sogar zum Ungeborenen, dessen Gehirnentwicklung durch die mangelnde Bewegung der schwangeren Mutter leidet.

Bewegung ist wichtig für Körper und Geist

das ist wissenschaftlich zu Genüge bewiesen. Was ist aber nun besser für unser Hirn, schnelles oder langsames Laufen? Ist es die „Sauerstoffdusche“, die unserem Hirn gut tut und es wacher und aufmerksamer für nachfolgende Tätigkeiten macht? Oder ist es eher das schnelle Laufen, das das Gehirn mit mehr Informationen „füttert“ und somit eine schnellere „Datenverarbeitung“ fordert? Oder sind es mehr koordinativ schwierige Läufe wie beim Trail-Laufen? Denn das Laufen auf unbekanntem und schwierigen Terrain feuert eine Vielzahl an Daten (v.a. visuell und kinästhetisch) an das Hirn und verlangt von ihm eine schnelle Anpassung der Bewegungsmuster an schwieriges Laufgelände.

Wie bereits geschrieben haben wir eine Unzahl an Studien gefunden, die die Wirksamkeit von Bewegung, Sport und Aktivität auf die Hirnleistung belegen, und das für alle Altersklassen, vom Ungeborenen bis zum hochbetagten Senior. Nur ob Kraft oder Ausdauer, speziell welche Sportarten und vor allem in welchem Intensitätsbereich und in welchen Umfängen die sportliche Aktivität stattfinden soll, da ist die Studienlage recht dünn, sie beläuft sich eher auf vage Vermutungen. Deshalb lasst uns etwas „philosophieren“ oder besser gesagt postulieren und diskutieren, was denn geeignete Parameter für die sportliche Aktivität sein könnten.

Beste Sauerstoffversorgung im GA1

Grundsätzlich nehmen wir an, dass der Fokus des Trainings im GA1-Bereich liegen sollte; denn hier werden die besten gesundheitlichen Effekte erreicht, angefangen von einem starken Immunsystem, tollen Blutdruckwerten, einer gesunden Herz- und Lungenfunktion sowie optimierten Blutwerten. Wir nehmen an, dass dies auch für unser Organ „Gehirn“ gilt, da es in diesem Bereich die beste Sauerstoffversorgung hat.

Nichtsdestotrotz lebt die sportliche Aktivität und somit die Anpassung der Organe, der Muskulatur und des Skelettsystems auch von der Abwechslung. Wird das Training zu monoton, so bleiben die Anpassungen aus, die Entwicklung der Fitness stagniert oder geht gar zurück. Vermutlich wird sich das auch so auf das Gehirn auswirken: Denn wenn es immer mit den gleichen Informationen versorgt wird, bleibt eine Neubildung der Dendriten aus.

Was bedeutet das für die Sportausübung?

Der Fokus liegt zwar beim GA1-Trainings und in diesem Bereich naturgemäß bei höheren Umfängen, doch solltest Du die Pulswerte (z.B. bei kürzeren Einheiten) gerne auch mal in den GA2-Bereich bis an die sog. individuelle anaerobe Schwelle ansteigen lassen. An dieser Schwelle verlässt Dein Körper die sogenannte aerobe Zone, der Fettstoffwechsel stagniert und die Muskulatur geht in die ausschließliche Verbrennung von Kohlenhydraten über. Beispiele für Trainingseinheiten sind bei Wettkampfläufern beispielsweise die Tempodauerläufe, die in diesem Bereich stattfinden. Auch für längere Anstiege bei profilierten Strecken ist der GA2-Bereich als gutes kraftbetontes Ausdauertraining geeignet, beliebt vor allem bei Radsportlern (sog. K3-Training). Freizeitsportler können diesen Ausdauerbereich gerne als willkommene Abwechslung in das Training einfließen lassen, vor allem, wenn Sie eine kürzere Runde drehen. Was wäre aber eine sportliche Aktivität, wenn man nicht auch mal an seine Grenzen geht; auch das ist sicherlich gut und sinnvoll für die Hirnleistung, allerdings mit der Einschränkung, dass es nicht zu häufig und zu lange stattfinden sollte. Wettkampfläufer trainieren in der anaeroben Zone gerne auf der Bahn beim Intervalltraining; aber auch Freizeitläufer profitieren davon, sich auch mal bis an die Grenze zu belasten, vorausgesetzt, die Intensitäten stimmen bei den sonstigen Einheiten (was allerdings selten der Fall ist).

Wenn Dir nun die „hirnfreundliche“ Gestaltung Deines Trainings aus den geschilderten Ausführungen zu kompliziert ist, so kannst Du gerne eine Stoffwechsel- und Leistungsdiagnose erstellen lassen. Nach der Testdurchführung und dem sich anschließenden Auswertegespräch erfährst Du, welches Training für Dich passt, um Dich für ein langes Leben gesund und vor allem „fit in der Birne“ zu halten.

 

Bildquelle: pixabay.com/ ulleo (11.10.2018)