Die Zeitschrift „Zeit“ beginnt ihren Artikel zum Gehirnstoffwechsel mit dem nackten Mann vom Musée de Rodin, der auf einem Felsen sitzt und nachdenkt. Hätte er sich doch bewegt, dann wären ihm sicherlich die richtigen Gedanken gekommen. Bereits im alten Griechenland schlenderte Aristoteles mit seinen Schülern durch die Wandelhallen.

„Bewegung bringt unsere Gedanken in Fluss und weckt unseren Geist“

liest sich in diesem Artikel weiter; das weiß jeder, der beim morgendlichen Laufen schon einen zündenden Gedanken für seinen Alltag hatte.

Hirnforscher sind in den vergangenen Jahren und aktuell sehr aktiv, wenn es darum geht, die Bewegung auf den Hirnstoffwechsel wissenschaftlich zu erforschen. Warum dabei die Denkleistung erhöht wird, ist noch nicht ganz klar. Einer der Effekte könnte sein, dass mehr Sauerstoff in´s Hirn kommt. Bereits zum Millennium-Wechsel formulierte der Hirnforscher Arne Dietrich von der American University of Beirut diese These.

Weitere Annahmen gehen davon aus, dass der Hormonstoffwechsel nachhaltig beeinflusst wird. Dem Thema „Hormone und Sport“ widmeten wir uns bereits in diesem Artikel. Es ist schon faszinierend, welches Feuerwerk an Hormonen mit sportlicher Aktivität ausgelöst wird. Dass aber nicht nur jede einzelne Einheit einen Anstieg der Hormone bewirkt, sondern die Konzentrationen auch über einen längeren Zeitraum und überdauernd ansteigen, macht es für den Gehirnstoffwechsel interessant.

Eine Forschergruppe um Manfred Spitzer der Universität Ulm fand heraus,

„dass regelmäßige körperliche Aktivität unseren Hormonhaushalt dauerhaft beeinflusst, weil sie zu einem verlangsamten Abbau des Botenstoffs Dopamin führt. Dopamin ist nicht nur ein körpereigener Stimmungsaufheller, er wird auch für wichtige kognitive (= Denk-) Prozesse im präfrontalen Kortex gebraucht.“

In diesem Bereich der Großhirnrinde laufen Gefühlsbewertungen, Denken und Planen ab. Die Parameter Aufmerksamkeit, Konzentration sowie auch andere geistige Fähigkeiten lassen nämlich nach, wenn der Dopaminspiegel sinkt. Ob aber das Hormon Dopamin nun der entscheidende Faktor in der Verbesserung der Hirnleistung ist, weiß man bis heute nicht abschließend.
Viel wird inzwischen auch am Thema der „Neuroplastizität“ des Gehirns untersucht: Stand noch bis 1998 in allen medizinischen Fachbüchern, dass das Hirn ein statisches Gebilde ist (also Gehirnzellen einfach absterben und nicht erneuert werden), so weiß man heute durch bildgebende Verfahren, dass hier durchaus größere Änderungen möglich sind, sogar im fortgeschrittenen Alter. Das Gehirn unterliegt ständigen Umbauprozessen, neue Zellen können entstehen. Und diese Plastizität des Gehirns lässt sich maßgeblich durch Bewegung beeinflussen, das haben viele Studien bereits gezeigt. Zurückgeführt wird das auf die Neurotrophine:

„Das sind Stoffe, die der Körper braucht, um Nervenzellen zu bilden und neue Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen zu knüpfen.“

Eine Forschergruppe der Uni Frankfurt4 konnte im Jahr 2017 an 60 Teilnehmern im Alter zwischen 65 und 85 Jahren zeigen, dass sich auch der Anstieg von Cholin (welches beim Untergang von Hirnzellen, wie es bei Alterungsprozessen und im Extremfall bei der Alzheimer Demenz der Fall ist) durch ein auf die Fitness abgestimmtes Bewegungsprogramm verhindern lässt. Natürlich wurde über den Studienzeitraum und die damit verbundene Aktivität parallel die Fitness der Teilnehmer (im Vergleich zur inaktiven Kontrollgruppe) deutlich besser.

Welche Parameter verbessern sich nun, wenn man sich regelmäßig bewegt?

Die Ulmer Forscher untersuchten bei ihren Probanden das räumliche Vorstellungsvermögen, die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis. Das Lauftraining hatte auf die Merkfähigkeit wohl kaum Auswirkungen, die anderen beiden Faktoren verbesserten sich aber deutlich. Lies nun hier weiter, mit welchem Training Du Deine Gehirnleistung nachhaltig steigern kannst.